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Plan_Fuehrung

Plan-Führungskraft

Was gute Führung in Krisenzeiten wirklich bedeutet

In den vergangenen Monaten habe ich mich immer wieder gefragt, warum manche Unternehmen trotz schwieriger wirtschaftlicher Rahmenbedingungen erstaunlich ruhig bleiben, während in anderen Betrieben schon bei den ersten schlechten Nachrichten Nervosität entsteht.
Der Unterschied liegt selten in den Zahlen.
Er liegt fast immer in der Art, wie Führungskräfte mit Unsicherheit umgehen.
Denn eines dürfen wir nicht vergessen:
Mitarbeiter kennen Ihre BWA nicht.
Sie kennen keine Liquiditätsplanung.
Sie wissen nicht, welche Gespräche Sie mit Ihrer Bank führen oder welche Diskussionen im Gesellschafterkreis stattfinden.
Sie bewerten ihre Zukunft anhand dessen, was sie täglich erleben.
An Ihrer Körpersprache.
An Ihren Aussagen.
An Ihrer Präsenz.
An Ihrer Zuversicht.
Deshalb beginnt gute Krisenkommunikation nicht vor der Belegschaft.
Sie beginnt bei der eigenen Haltung.

Nicht jede Wahrheit gehört ungefiltert ins Teammeeting

Ich halte nichts davon, Probleme schönzureden.
Aber ich halte genauso wenig davon, jede Sorge ungefiltert an die Mitarbeiter weiterzugeben.
Ich erlebe Führungskräfte, die sich vor ihre Mannschaft stellen und sagen:
“Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob wir den Standort überhaupt halten können.”
Oder:
“Wenn das so weitergeht, wird es richtig schwierig.”
Oder sie erzählen offen von angespannten Bankgesprächen, fehlenden Aufträgen oder Liquiditätsproblemen.
Die Absicht dahinter ist oft nachvollziehbar.
Man möchte ehrlich sein.
Transparenz schaffen.
Die Mitarbeiter mitnehmen.
Doch häufig passiert genau das Gegenteil.
Mitarbeiter verlassen ein solches Meeting nicht mit mehr Vertrauen.
Sie verlassen es mit mehr Fragen.
Und vor allem mit der einen Frage, die sie sich vorher vielleicht noch gar nicht gestellt haben:
“Sollte ich mich vorsichtshalber nach einem anderen Arbeitgeber umsehen?”
Ehrlichkeit ist wichtig.
Aber Ehrlichkeit ohne Orientierung erzeugt Unsicherheit.

Mitarbeiter brauchen keinen perfekten Geschäftsführer

Sie brauchen einen verlässlichen.
Ich bin überzeugt:
Führung bedeutet nicht, keine Sorgen zu haben.
Führung bedeutet, mit den eigenen Sorgen verantwortungsvoll umzugehen.
Natürlich beschäftigt einen Unternehmer die Liquidität.
Natürlich machen sinkende Auftragseingänge nervös.
Natürlich gibt es Nächte, in denen man schlecht schläft.
Aber genau dafür trägt eine Führungskraft Verantwortung.
Nicht jede eigene Belastung muss zur Belastung der gesamten Organisation werden.
Manchmal besteht Führung gerade darin, Unsicherheit zunächst selbst auszuhalten, sie einzuordnen und erst dann mit den Mitarbeitern zu sprechen.

Kommunizieren Sie Probleme immer zusammen mit einem Plan

Mitarbeiter akzeptieren schlechte Nachrichten deutlich besser, wenn sie erkennen, dass ihre Führung weiß, was zu tun ist.
Es macht einen erheblichen Unterschied, ob ein Geschäftsführer sagt:
“Unsere Auftragseingänge sind rückläufig.”
Oder:
“Unsere Auftragseingänge sind rückläufig. Deshalb haben wir drei konkrete Maßnahmen beschlossen. Wir überprüfen die Entwicklung monatlich und werden Sie regelmäßig informieren.”
Beide Aussagen beschreiben dieselbe Realität.
Die Wirkung könnte unterschiedlicher kaum sein.
Die erste erzeugt Ohnmacht.
Die zweite vermittelt Handlungsfähigkeit.
Menschen folgen nicht Problemen.
Sie folgen Menschen, die Verantwortung übernehmen.

Wer nur über Risiken spricht, nimmt den Menschen die Zukunft

In vielen Unternehmen drehen sich Besprechungen derzeit fast ausschließlich um Kosten.
Um Einsparungen.
Um Budgets.
Um Auslastung.
Um Risiken.
Das ist nachvollziehbar.
Doch wenn Mitarbeiter über Wochen oder Monate ausschließlich hören, was alles schwieriger wird, entsteht ein gefährlicher Eindruck:
Dass das Unternehmen nur noch verwaltet und nicht mehr gestaltet.
Deshalb brauchen Menschen gerade jetzt auch positive Perspektiven.
Welche Kunden konnten gewonnen werden?
Welche Projekte laufen gut?
Wo wird trotz allem investiert?
Welche Ideen verfolgen wir?
Zuversicht entsteht nicht dadurch, dass Probleme verschwiegen werden.
Sie entsteht dadurch, dass Menschen erkennen, dass es trotz aller Schwierigkeiten eine Richtung gibt.

Führung zeigt sich oft in den kleinen Momenten

Gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten konzentrieren sich viele Geschäftsführer verständlicherweise auf Banken, Kennzahlen und Strategiemeetings.
Dabei vergessen sie manchmal, dass die wichtigste Aufgabe weiterhin im eigenen Unternehmen stattfindet.
Ein kurzer Rundgang durch die Abteilungen.
Ein ehrliches Gespräch.
Ein persönliches Dankeschön.
Ein gemeinsamer Kaffee.
Ein Anruf bei einem Mitarbeiter, der gerade eine schwierige Phase durchlebt.
Das sind keine Nebensächlichkeiten.
Sie senden eine Botschaft.
“Ich sehe euch.”
“Wir gehen gemeinsam durch diese Zeit.”
Gerade in Krisen entsteht Loyalität nicht durch Bonusprogramme oder Obstkörbe.
Sie entsteht durch menschliche Nähe und glaubwürdige Führung.

Die wichtigste Botschaft einer Führungskraft lautet: “Wir haben einen Plan.”

Kein Geschäftsführer kann heute garantieren, dass die kommenden Jahre einfach werden.
Das erwartet auch niemand.
Was Mitarbeiter erwarten dürfen, ist etwas anderes.
Dass ihre Führung Verantwortung übernimmt.
Dass Entscheidungen erklärt werden.
Dass Probleme nicht verschwiegen, aber auch nicht dramatisiert werden.
Und dass trotz aller Unsicherheit deutlich wird:
“Wir wissen, wo wir stehen. Wir wissen, was wir tun. Und wir werden alles daransetzen, unser Unternehmen sicher durch diese Zeit zu führen.”
Genau diese Haltung schafft Vertrauen.
Und Vertrauen ist in wirtschaftlich unsicheren Zeiten die vielleicht wertvollste Ressource eines Unternehmens.

Cobisi-Anzug

Marcus Cobisi ist Founder und Inhaber von Cobisi Consult. Seit 25 Jahren besetzt er als Unternehmer und Personalberater kaufmännische Fach- und Führungspositionen im DACH-Raum – mit klarer Anforderungsanalyse, systematischer Direktansprache und verbindlicher Begleitung bis zur Besetzung.