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Ratgeber_Kuendigung

Kündigung

Wenn Schlüsselkräfte kündigen, beginnt das Problem meist Monate früher

Die Kündigung ist selten die eigentliche Ursache – sie ist meist nur das sichtbare Ende einer längeren Entwicklung.

“Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.” Diesen Satz höre ich als Personalberater regelmäßig. Führungskräfte berichten von der überraschenden Kündigung langjähriger Leistungsträger. Schaut man jedoch gemeinsam auf die Monate davor, zeigt sich fast immer dasselbe: Die Warnsignale waren vorhanden – sie wurden nur nicht erkannt.

Kaum jemand kündigt von heute auf morgen. Die Entscheidung fällt häufig lange vor dem Kündigungsschreiben. Gerade engagierte Mitarbeitende beschweren sich selten. Sie übernehmen Verantwortung, lösen Probleme selbst und fallen deshalb oft erst auf, wenn sie innerlich bereits auf Distanz gegangen sind. Typische Anzeichen sind weniger Eigeninitiative, ausbleibende Verbesserungsvorschläge, kürzere Besprechungen oder ein spürbar geringeres Engagement. Nicht jede Veränderung kündigt eine Kündigung an – aber jede verdient Aufmerksamkeit.

Wie groß das Problem ist, zeigen die Zahlen des Gallup Engagement Index: Nur 10 % der Beschäftigten in Deutschland sind emotional stark an ihr Unternehmen gebunden. 77 % erledigen ihre Arbeit zwar zuverlässig, engagieren sich jedoch kaum über das Notwendige hinaus. Weitere 13 % haben innerlich bereits gekündigt. Die wirtschaftlichen Folgen beziffert Gallup auf mindestens 119 Milliarden Euro jährlich.

Viele Menschen verlassen nicht ihr Unternehmen, sondern ihre Führung. Gehalt oder Karriere spielen zwar eine Rolle, in Gesprächen höre ich jedoch häufig Sätze wie: „Ich fühle mich nicht mehr gesehen.“ Oder: „Mit meinem Vorgesetzten kann ich nicht mehr arbeiten.“ Führungskräfte haben entscheidenden Einfluss auf Motivation und Bindung ihrer Teams – weit mehr, als vielen bewusst ist.

Deshalb greifen reine Gehaltserhöhungen oder zusätzliche Benefits oft zu kurz. Wer sich emotional bereits verabschiedet hat, lässt sich selten dauerhaft mit Geld halten. Echte Mitarbeiterbindung entsteht durch Vertrauen, Wertschätzung, Entwicklungsmöglichkeiten, ehrliches Feedback und regelmäßige Gespräche. Dazu gehören Fragen wie: Was motiviert Sie? Wo möchten Sie sich entwickeln? Welche Hindernisse erleben Sie im Alltag? Solche Gespräche brauchen Zeit und echtes Interesse.

Auch Konflikte verschwinden nicht von selbst. Sie werden lediglich leiser. Aus kleinen Enttäuschungen entsteht Distanz – und aus Distanz irgendwann die innere Kündigung. Wer früh zuhört und Probleme offen anspricht, verhindert nicht jede Trennung, aber viele.

Kommt die Kündigung schließlich doch, wird es teuer. Neben Recruiting, Einarbeitung und Vakanzzeiten gehen wertvolles Erfahrungswissen, Kundenbeziehungen und Prozesskenntnisse verloren. Die Gesamtkosten einer Nachbesetzung können schnell einem Jahresgehalt entsprechen.

Erfolgreiche Unternehmen warten deshalb nicht auf Kündigungen. Sie investieren kontinuierlich in gute Führung, pflegen den Austausch mit ihren Mitarbeitenden und bauen frühzeitig Nachfolgenetzwerke auf.

Die meisten Kündigungen beginnen nicht mit einem Brief, sondern mit kleinen Veränderungen. Wer diese Signale erkennt und ernst nimmt, kann viele Kündigungen verhindern. Denn die beste Personalgewinnung beginnt oft nicht mit einer Stellenausschreibung, sondern mit guter Führung, ehrlicher Kommunikation und der Bereitschaft zuzuhören.

Cobisi-Anzug

Marcus Cobisi ist Founder und Inhaber von Cobisi Consult. Seit 25 Jahren besetzt er als Unternehmer und Personalberater kaufmännische Fach- und Führungspositionen im DACH-Raum – mit klarer Anforderungsanalyse, systematischer Direktansprache und verbindlicher Begleitung bis zur Besetzung.