Der-Job-Futuromat

Oh nein: Der Job-Futuromat sagt, 50 % meines Jobs sind automatisierbar

Warum Recruiting zwischen 2026 und 2035 zur strategischen Kernaufgabe wird

Warum diese Zahl erst erschreckt – und dann zum Nachdenken anregt

Zitat: 50 % automatisierbar.

So eine Zahl wirkt im ersten Moment wie ein Warnsignal.

Vielleicht sogar wie eine Bedrohung.

Genau so ging es mir auch, als ich mich mit dem Job-Futuromat des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung beschäftigt habe. Der erste Gedanke liegt nahe: Wenn die Hälfte meiner Arbeit automatisierbar ist – wie sicher ist mein Beruf dann eigentlich noch?

Die gute Nachricht ist: Diese Zahl bedeutet nicht, dass ein Beruf verschwindet.

Sie bedeutet vor allem, dass sich Tätigkeiten innerhalb eines Berufs verändern.

Und genau das ist der entscheidende Punkt.

KI ersetzt nicht ganze Berufe – sondern einzelne Aufgaben

Viele Menschen schauen auf ihren Beruf als Ganzes.

Die eigentliche Veränderung passiert aber auf einer anderen Ebene: bei den täglichen Aufgaben.

In fast jedem Job gibt es Tätigkeiten, die klar strukturiert, wiederholbar und regelbasiert sind. Genau dort ist KI besonders stark.

Beispiele dafür gibt es in fast allen Bereichen:

Im Büro

– Termine koordinieren
– Daten pflegen
– E-Mails vorsortieren
– Standardberichte erstellen

Im Vertrieb

– Kundendaten auswerten
– Gesprächsnotizen strukturieren
– Angebote vorbereiten
– Follow-ups automatisieren

Im Personalwesen

– Lebensläufe vorsortieren
– Stellenprofile abgleichen
– Interviewtermine abstimmen
– Standardkommunikation vorbereiten

Im Rechnungswesen

– Belege erfassen
– Daten prüfen
– Buchungsvorschläge erstellen
– Routinen dokumentieren

Diese Aufgaben sind wichtig. Aber sie folgen häufig einem Muster.

Und genau deshalb können sie von Software und KI unterstützt oder teilweise übernommen werden.

Was nicht so leicht ersetzbar ist

Auf der anderen Seite gibt es Tätigkeiten, die eben nicht nur aus Regeln und Wiederholungen bestehen.

Dazu gehören zum Beispiel:

– Situationen richtig einordnen
– zwischen den Zeilen lesen
– Verantwortung übernehmen
– Vertrauen aufbauen
– schwierige Entscheidungen treffen
– Konflikte klären
– Menschen führen
– Kunden, Kollegen oder Partner wirklich verstehen

Ein System kann Daten vergleichen.

Aber es kann nicht im selben Maß Verantwortung tragen.

Ein Tool kann Informationen verdichten.

Aber es kann nicht die Folgen einer sensiblen Entscheidung menschlich bewerten.

Ein Algorithmus kann Vorschläge machen.

Aber er ersetzt nicht Erfahrung, Urteilsvermögen und Haltung.

Die eigentliche Frage lautet nicht: „Wird mein Job ersetzt?“

Die bessere Frage ist:

Welche Teile meiner Arbeit sind automatisierbar – und welche machen meinen eigentlichen Wert aus?

Denn genau hier liegt die Chance.

Wenn wiederkehrende Prozesse schneller, sauberer und effizienter erledigt werden, entsteht Raum für das, was Menschen besonders gut können:

– Probleme lösen
– Verantwortung übernehmen
– Beziehungen gestalten
– kreativ denken
– Entscheidungen treffen
– Neues entwickeln

Das gilt nicht nur für Wissensarbeit, sondern branchenübergreifend. Auch in technischen, kaufmännischen, organisatorischen oder dienstleistungsnahen Berufen wird KI vor allem dort stark sein, wo Struktur und Wiederholung dominieren.

Warum das keine schlechte Nachricht sein muss

Die Zahl „50 % automatisierbar“ klingt hart.

Aber sie kann auch entlastend sein.

Denn niemand wird dafür bezahlt, möglichst viele Routineaufgaben manuell zu erledigen. Wert entsteht dort, wo Menschen Orientierung geben, Qualität sichern, Verantwortung tragen und Ergebnisse verbessern.

Ein einfaches Beispiel:

Ein Vertriebsmitarbeiter wird in Zukunft vermutlich weniger Zeit mit Dokumentation und mehr Zeit mit Kunden verbringen.

Eine Assistenz wird weniger Zeit in Terminabstimmungen und mehr Zeit in Koordination, Priorisierung und Kommunikation investieren.

Eine Führungskraft wird weniger Informationen zusammensuchen und mehr Entscheidungen fundiert treffen können.

Das heißt: KI nimmt nicht automatisch Bedeutung weg.

Sie kann Bedeutung sogar sichtbarer machen.

Die entscheidende Kompetenz der Zukunft

Wer in den nächsten Jahren erfolgreich bleiben will, muss nicht alles selbst machen.

Aber er muss verstehen, was er delegieren kann – und was nicht.

Die wichtigste Kompetenz ist deshalb nicht nur Fachwissen.

Es ist die Fähigkeit, Technik sinnvoll zu nutzen und den eigenen Beitrag klar zu erkennen.

Anders gesagt:

KI ersetzt Prozesse. Nicht Verantwortung.

KI beschleunigt Abläufe. Nicht Urteilskraft.

KI unterstützt Arbeit. Aber sie definiert nicht den menschlichen Wert.

Fazit

Der Job-Futuromat zeigt keine Untergangsszenarien.

Er zeigt, dass sich Arbeit verändert.

Ja, viele Tätigkeiten werden automatisierbar.

Ja, manche Aufgaben werden verschwinden oder sich stark verändern.

Aber genau darin liegt auch eine Chance:

mehr Fokus auf das, was Menschen unverzichtbar macht.

Nicht die Frage „Was nimmt mir KI weg?“ sollte im Mittelpunkt stehen.

Sondern die Frage:

Wofür werde ich gebraucht, wenn Routinen wegfallen?

Dort beginnt die eigentliche Zukunft der Arbeit.

Quelle: Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, Job-Futuromat

Cobisi-Anzug

Marcus Cobisi ist Founder und Inhaber von Cobisi Consult. Seit 25 Jahren besetzt er als Unternehmer und Personalberater kaufmännische Fach- und Führungspositionen im DACH-Raum – mit klarer Anforderungsanalyse, systematischer Direktansprache und verbindlicher Begleitung bis zur Besetzung.