In Zeiten von Fachkräftemangel, wachsender Wechselbereitschaft und einer kaum überschaubaren Anzahl an Stellenanzeigen reicht es nicht mehr aus, einfach nur zu inserieren und abzuwarten. Der Arbeitsmarkt hat sich gedreht: Kandidaten wählen aus – nicht umgekehrt.
Genau hier setzt Talent Sourcing an. Es ist kein Trend, sondern eine strategische Notwendigkeit für Unternehmen, die nachhaltig wachsen wollen.
Was ist Talent Sourcing?
Active Sourcing ist eine proaktive Recruiting-Methode, bei der qualifizierte Kandidaten gezielt identifiziert und direkt angesprochen werden – unabhängig davon, ob sie aktiv auf Jobsuche sind oder nicht.
Im Mittelpunkt steht die strukturierte Recherche in beruflichen Netzwerken, Datenbanken oder Zielfirmen – kombiniert mit einer individuellen persönlichen Ansprache.
Passive Stellenanzeige
Kandidat bewirbt sich
Fokus auf aktive Bewerber
Reaktion auf Nachfrage
Hohe Streuverluste
Active Sourcing
Unternehmen initiiert Kontakt Fokus auf passive Kandidaten Steuerung von Angebot Zielgerichtete AnspracheWährend eine Anzeige sichtbar ist, aber auf Reaktion wartet, geht Active Sourcing einen Schritt weiter:
Es sucht gezielt nach Kompetenz – nicht nach Bewerbungseingang.
Warum ist Talent Sourcing heute unverzichtbar?
1. Fachkräftemangel ist Realität
Qualifizierte Fach- und Führungskräfte sind in vielen Branchen rar. Besonders in kaufmännischen Funktionen, im Finance-Bereich oder im technischen Umfeld zeigt sich:
Der relevante Talentpool ist begrenzt – und oft nicht aktiv auf Jobsuche.
2. Passive Kandidaten sind häufig die stärksten
Viele Leistungsträger sind nicht aktiv auf Suche, performen in Ihren Unternehmen.
Sie wechseln nicht aus Frust, sondern auf Grund einer guten Direktansprache mit der Vision einer klaren Verbesserung.
Diese Kandidaten erreicht man nicht über eine klassische Anzeige.
Warum das funktioniert
Aktuelle Studien sehen 56% Wechselwilligkeit deutscher Beschäftigter bis 70% europaweit.
Passt zur Studie, dass nur noch 9% der Beschäftigten eine emotionale Bindung zum Arbeitgeber haben – Tendenz sinkend
Bereist 20% emotional gar nicht mehr gebunden sind.
50% der Beschäftigen erwarten nicht in einem Jahr noch beim gleichen Arbeitgeber zu sein.
Active Sourcing ist daher vergleichbar mit einer strategischen Schatzsuche.
Die besten Talente stehen nicht am Marktplatz – sie müssen identifiziert und wertschätzend angesprochen werden.
3. Qualität statt Quantität
Statt 80 Bewerbungen zu sichten, von denen 60 nicht passen, werden gezielt 15–25 geeignete Profile angesprochen.
Das Ergebnis:
- Höhere Passgenauigkeit
- Kürzere Time-to-Hire
- Geringere Fehlbesetzungsquote
Wie funktioniert Active Sourcing konkret?
Präzise Rollen-Definition
Der häufigste Fehler im Recruiting liegt nicht im Markt – sondern in einer unklaren oft überzogenen Anforderung.
Und einem unkonkreten Gehaltsangebot oder das Zeigen einer Perspektive, Karriereleiter.
Und dem Glauben, dass es die HR Abteilung nebenbei macht.
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Strukturierte Identifikation
Recherchekanäle sind u. a.:
- Business-Netzwerke (z. B. LinkedIn)
- Branchenspezifische Datenbanken
- Zielfirmen-Listen
- Eigene Talentpools
Entscheidend ist die systematische Vorgehensweise:
- Boolesche Suchstrings
- Filter nach Standort, Seniorität, Funktion
- Bewertung der Profile nach Matching-Kriterien
Individuelle Direktansprache
Die Ansprache ist kein Massenmailing.
Erfolgreiches Active Sourcing bedeutet:
- Persönlicher Bezug zum Profil
- Klare Positionierung des Unternehmens
- Transparente Wechselargumente
- Respektvolle Kommunikation
Beispiel:
Mir ist aufgefallen, dass Sie seit mehreren Jahren komplexe Immobilienportfolios betreuen. Genau diese Erfahrung ist für unseren Mandanten im Raum Stuttgart strategisch entscheidend. Darf ich Ihnen kurz skizzieren, warum die Rolle interessant sein könnte?
Das Ziel ist nicht sofortige Bewerbung – sondern Dialog.
Typische Fehler im Active Sourcing
- Unklare Anforderungen
- Generische Copy-Paste-Nachrichten
- Fokus auf Quantität statt Qualität
- Fehlendes Follow-up
- Keine systematische Dokumentation
Active Sourcing ist kein Nebenbei-Prozess – es ist ein professioneller Vertriebsprozess im Kandidatenmarkt.
Wann lohnt sich Active Sourcing besonders?
- Schwer besetzbare Fachpositionen
- Führungsrollen
- Regionale Engpassmärkte
- Diskrete Nachbesetzungen
- Strategische Schlüsselpositionen
Gerade bei Positionen ab 60.000 € Jahresgehalt zeigt sich die Effektivität deutlich.
Fazit
Der Bewerbermarkt hat sich fundamental verändert.
Unternehmen, die weiterhin ausschließlich auf eingehende Bewerbungen setzen, verlieren Geschwindigkeit und Qualität.
Active Sourcing bietet die Möglichkeit:
- verborgene Talente sichtbar zu machen
- strategisch passende Kandidaten zu identifizieren
- den Recruiting-Prozess aktiv zu steuern
- nachhaltige Besetzungen zu sichern
Wer heute erfolgreich rekrutieren möchte, muss proaktiv handeln.
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Marcus Cobisi ist Founder und Inhaber von Cobisi Consult. Seit 25 Jahren besetzt er als Unternehmer und Personalberater kaufmännische Fach- und Führungspositionen im DACH-Raum – mit klarer Anforderungsanalyse, systematischer Direktansprache und verbindlicher Begleitung bis zur Besetzung.